Laktase Tabletten und Laktose Tabletten?

Immer wieder fragen uns Betroffene, wie sie mit Laktose in Tabletten umgehen sollten. Sie lesen richtig, Laktose, also der Milchzucker. In vielen Medikamenten ist er enthalten.

Dieser Artikel hilft Ihnen zu verstehen, wie Sie bei Laktoseintoleranz mit Medikamenten umgehen können, die Laktose enthalten. Brauchen Sie, um das Wortspiel zu strapazieren, bei Laktose Tabletten Laktase Tabletten?

Laktose steckt nicht nur in Milch

In unserer modernen Lebensmittelproduktion wird versucht, sogenannte „Restströme“ – also das, was man sonst Abfall nennen würde – noch zu nutzen. Dagegen lässt sich wenig sagen, denn es spart Ressourcen. Einer dieser Abfallstoffe ist Molke, die bei der Käseherstellung in großer Menge anfällt und die Umwelt immens belasten würde. Neben dem Eiweiß, das die Kraftsportler unter uns vielleicht kennen, ist Molke vor allem an einem Stoff reich: Laktose.

Ein Teil dieser Molke-Laktose wird abgetrennt, getrocknet und verkauft. Sie wandelt dann auf den absurdesten Pfaden. Als Beigabe zur Trocknung von Aromen landet sie in Fertiggerichten, manchmal so noch immer in Fertigwurst. Vor allem aber begegnet die Molkerei-Laktose uns, wenn wir erkrankt sind und auf Medikamente angewiesen. Auf den Beipackzetteln steht dann als sonstiger Inhaltsstoff, neben vielen unlesbaren Stoffen, auch die altbekannte Laktose.

In Tabletten hilft sie als Zucker dabei, eine feste und transportierbare Tablette zu bekommen – die bindet die Mischung aus Wirkstoff und Hilfsstoffen zusammen und gibt Halt.

Brauchen Sie Laktase Tabletten bei der Einnahme von Medikamenten?

Für diejenigen unter uns, die auf Medikamente angewiesen sind, wirkt das zunächst wie eine Wahl zwischen Pech und Schwefel. Nimmt man das Medikament nicht, geht es nicht gut, nimmt man es, muss man befürchten, dass es ohne zusätzliche Laktase Tabletten auch schiefgeht.

Schlimmer noch ist die Unsicherheit, ob die Medizin denn auch wirkt, wenn Laktose enthalten ist und es etwa zu Durchfällen kommt. Während das bei einer Kopfschmerztablette vielleicht übertrieben wirkt, wird die Angst etwa bei Herzmedikamenten greifbarer.

Um die Sorge etwas zu mildern, hilft es, sich bewusst zu machen, welche Menge Laktose oft in den Tabletten enthalten ist.

Nehmen wir als Beispiel den bekannten ACE-Hemmer Captopril, der bei Bluthochdruck oder Herzschwäche verschrieben wird. Eine Tablette wiegt rund 280 mg. 50 mg davon sind der Wirkstoff Captopril. Auf dem Beipackzettel der Tabletten finden sich noch Cellulose und Maisstärke als Bindemittel und die altbekannte Laktose. Nehmen wir zur Vereinfachung an, es wäre neben dem Wirkstoff nur noch Laktose enthalten. Würden Sie eine ganze Tablette auf einmal nehmen, nehmen Sie also rund 230 mg Laktose mit der Tablette zu sich. In der Regel werden Sie von diesem Medikament eher nur eine halbe Tablette nehmen – doch uns geht es darum, ein Gefühl zu bekommen.

Wenn Sie eine Laktoseintoleranz haben, werden Laktase Tabletten und laktosefreie Milchprodukte zu Ihrer „Grundausstattung“ gehören. Gesetzlich ist vorgeschrieben, dass eine laktosefreie Milch nicht mehr als 0,1 g Laktose pro 100 ml enthalten darf. Sie ist also, manche Betroffene sind darüber überrascht, nicht wirklich laktosefrei, sondern sehr laktosearm. Das hängt mit der Herstellung zusammen, die nie alle Laktose beseitigen kann.

Die Menge an Laktose, die Sie mit einer ganzen Tablette Captopril einnehmen würden, liegt also mit 230 mg bei ungefähr der Menge, die ein kleines Glas laktosefreie Milch noch enthalten darf. Ein 200 ml Glas darf insgesamt noch 0,2 g Laktose, also 200 mg, enthalten. Die Mehrzahl von uns Betroffenen verträgt laktosefreie Milch ohne Sorge. Selbst eine größere Pille enthält daher oft kaum mehr Laktose enthalten als ein großer laktosefreier Joghurt.

Dazu kommt: Die Wenigsten unter Betroffenen sollten dauerhaft zu laktosefreien Milchprodukten oder auch Laktase Tabletten greifen. Die ganz überwiegende Mehrzahl der Betroffenen kann lernen, eine größere Menge Laktose beschwerdefrei zu vertragen.

Selbst wenn Sie aber leider zu der kleineren Zahl gehören, die sehr sensitiv sind, brauchen Sie recht sicher eher keine Laktase Tabletten für Ihr Medikament und müssen sich eher nicht auf die oft beschwerliche Suche nach laktosefreien Tabletten mit Ihrem Wirkstoff machen. Die Laktosemenge in den Medikamenten ist in der Regel im Rahmen dessen, was Sie sonst beschwerdefrei vertragen.

Was tun bei Symptomen?

Dass Laktose in Tabletten immer wieder verdächtigt wird trotzdem Beschwerden zu machen, hängt aus meiner Erfahrung in den letzten 10 Jahren oft mehr mit einem unbeachteten Problem zusammen. Viele Medikamente haben Nebenwirkungen. Bei unserem Beispiel, Captopril, gehören dazu wie bei vielen Mitteln häufiger: Magen-Darm Beschwerden, Übelkeit, Durchfälle, Bauchschmerzen.

Über die Jahre haben sich immer wieder Betroffene an uns gewendet, die auf der Suche nach einer laktosefreien Variante Ihres Mittels waren oder wissen wollten, ob sie unsere Laktase Tabletten zu Ihrem Mittel nehmen können, ohne dass die Wirkung leidet. Diese Sorge können wir nehmen. Laktase Tabletten beeinträchtigen die Wirkung von Medikamenten nicht. Dafür sind sie, sosehr ich schon seit 10 Jahren immer noch etwas über sie lerne, zu einfach gebaut. Die Lösung brachte aber eher nicht die richtige Laktase, sondern ein offenes Gespräch mit dem Arzt.

Gerade diejenigen unter uns, die schon in den reiferen Jahren sind, können unter Nebenwirkungen Ihrer Medikamente enorm leiden. Rascher unerwarteter Durchfall kann fesselnd sein und die Sorge, ob eine Toilette in der Nähe sein wird, trübt die Aussicht auf einen Ausflug mit der Familie.

Die Lösung muss in solchen Fällen nicht der Kauf von Laktase Tabletten „auf gut Glück“ sein, auch nicht unsere, sondern ein offenes Gespräch mit dem Arzt. Vielleicht lässt sich die Einnahme der Tabletten über den Tag strecken. Vielleicht gibt es auch Alternativen, die, selbst wenn sie Laktose enthalten, einen anderen Wirkstoff nutzen und Ihnen wieder Freiheit zurückgeben.

Wann Sie zu Tabletten immer auch Laktase Tabletten nehmen dürfen

Über die Jahre hat sich eingeschlichen, dass ich unsere Besucher versuche zu ermutigen – nicht selten finden Sie uns auf der schon beinah verzweifelten Suche nach Hilfe. Sie lesen online viel und sind verunsichert. Dem Einen oder Anderen mag das übertrieben vorkommen. Aber uns begegnen Betroffene in allen Lebenslagen und ich habe gelernt, dass pauschaler Rat oft unangebracht ist. Ich habe hin und herüberlegt, ob dieser Passus in den Artikel soll. Die Mehrzahl der Leserinnen und Leser betrifft er nicht, doch für eine Handvoll ist er umso wichtiger.

In einer Lebenslage ist es, auch wenn die Laktose es nicht braucht, in Ordnung Tabletten mit Laktase zu nehmen. Es schadet nicht, denn Laktase hat keine Nebenwirkungen.

Eine Betroffene schrieb uns im schwierigen Jahr 2020, weil sie die vermutlich zwingend nötige Therapie Ihrer schweren Depression hinausgezögert hat. Online hatte sie gelesen, dass Tabletten Laktose enthalten können und das „nicht okay“ wäre. Ihre Tabletten enthielten Laktose. Ängste sind bei diesem Leidensweg ein häufiger Begleiter und die Scham ist oft groß genug.

Wenn Sie sich in dieser Situation befinden, will ich Sie von Herzen ermutigen: Sprechen Sie, wenn möglich, mit Ihrem Therapeuten über diese Angst.

Nehmen Sie Ihre Medikation, auch wenn die Sorge vor Laktose riesig werden kann. Wenn Sie sich damit sicherer fühlen, nehmen Sie Laktase Tabletten und sei es nur für das gute Gefühl – oft genug braucht es das in schweren Momenten mehr.

Machen Sie sich bewusst, dass Ihre wichtigste Aufgabe im Moment ist, wieder auf die Beine zu kommen und Hilfe anzunehmen. Laktose darf Sie hier niemals hindern, diesen für Sie wichtigen Schritt zu gehen, auf dem ich Ihnen von Herzen viel Kraft wünschen will. Dafür, dass Sie ihn angehen, haben Sie meinen großen Respekt.