Laktase Tabletten – 4 Gründe warum sie bei Ihnen nicht wirken

9. Juni 2019 von Martin Lipsdorf

Laktase Tabletten versprechen eine einfache Lösung bei Symptomen einer Laktoseintoleranz. Die Geschichte, die erzählt wird, ist mindestens so einfach: Ihr Körper kann leider keine Laktase mehr produzieren.

Laktase Tabletten enthalten das Enzym Laktase als Ersatz. So können Sie wieder Milch vertragen trotz Laktoseintoleranz. Doch wie bei allen Geschichten, die auf eine Produktpackung müssen, ist es im Detail schwieriger und die Wahrheit wie so oft im Leben bunter.

Laktase wirkt nicht immer
Milch und Laktase dazu nehmen – nicht immer ist es so einfach

Wussten Sie, dass Sie selbst bei einer extremen Laktoseintoleranz weiter über das Enzym Laktase im Körper verfügen? Dass es sogar wichtig ist, diese Laktase zu erhalten, um nicht in einen Teufelskreis von immer mehr Symptomen zu geraten?

Dieser Artikel soll Ihnen helfen zu lernen, worauf Sie mit einer Laktoseintoleranz im Umgang mit Laktase achten sollten.

  • Wie ist sie korrekt einzunehmen?
  • Wann und wann aber eben nicht – auch wenn Milch auf dem Speiseplan steht?
  • Was kann der Grund sein, warum es trotz allem nicht klappt? Und lässt sich das beheben?

Ich will Ihnen Erfahrungen aus 10 Jahren Laktasekampagne und dem direkten Kontakt mit Betroffenen auf den Weg geben – und hoffe ein Stück weit, dass wir uns, unsere Arbeit und unsere handgemachte Laktase (die Millis) Ihnen damit ein Stück weit ans Herz bringen können, wenn Sie doch mal Laktasepräparate brauchen.

Laktase – und trotzdem geht alles schief

Viele Betroffene erhalten Ihre Diagnose erst spät im Leben. Nach langen Beschwerden oder auch, weil mit den Jahren plötzlich Verdauungsprobleme auftreten, erhalten Sie vom Arzt die Diagnose: Laktoseintoleranz.

In der Mehrzahl der Fälle folgt der simple Rat: Meiden Sie ab sofort Milchprodukte. Zum Glück findet hier seit einigen Jahren ein Umdenken statt. Doch die Mehrzahl der Betroffenen, die uns schreiben, sind ratlos, wie sie nun jede Laktose meiden sollen und wann sie dann Laktase nehmen dürfen.

In der Regel wird dann zeitnah Laktase in Kapseln oder im Klickspender online oder in der Drogerie gekauft. Die Einnahmeempfehlung wird gelesen, Laktase genommen – und es geht schief. Dann wird oft auf laktosefreie Produkte umgestellt, weil die Intoleranz dann ja sehr stark gewesen sein muss – viel zu oft sagt der Arzt auch „Oh solche Werte hab ich ja noch nie gesehen“.

Doch mit der Zeit wird das Essen immer schwieriger – schon kleine Mengen Laktose scheinen Probleme zu machen, manchmal sogar die laktosefreien Produkte. Und Laktase? Keine Wirkung! Das Endergebnis ist Verwirrung, Verzweiflung manchmal – und oft finden Betroffene dann genau mit diesem Gefühl im Netz diese Seite und uns.

„Ich verstehe das einfach nicht“

Wenn Laktasepräparate nicht wirken und immer mehr Milchprodukte trotz braver laktosefreier Ernährung immer weiter vom Speiseplan verschwinden, stehen wir Betroffene oft allein im Regen.

Bis heute folgt auf eine Diagnose in den wenigsten Fällen eine Ernährungsberatung, die das Elend würde beseitigen helfen – die Deutsche Gesellschaft für Ernährung hat wie wir ein sehr differenziertes Leitbild, das Betroffenen helfen würde, wenn sie den Rat denn auch bekämen.

Stattdessen sitzen Sie allein auf der Toilette oder sind derjenige oder diejenige, die etwas peinlich berührt fragt: Ist da Milch drin?

Wie aus dem Lehrbuch: So wirkt Laktase eigentlich

Laktase (engl. Lactase, auch im Deutschen immer noch gebraucht) arbeitet eigentlich recht einfach und zuverlässig. So zuverlässig, dass der europäische Sachverständigenrat EFSA die Wirkung als gesichert ansieht – trotz der mageren Datenlage, die aus meiner Sicht durch das furchtbare Desinteresse medizinischer Forschung an Laktoseintoleranz verursacht ist.

90% der Stoffe, die der Rat prüft, fallen durch, und das oft mehrfach. Laktase nicht. Wie also wirkt Laktase?

Laktase ist zunächst nichts anderes als ein Eiweiß, ein Protein – oder für uns Normalsterbliche das, was sich in Lebensmitteln wie Eiern, Milch oder Fleisch findet. Aus dem Nährstoff Eiweiß bildet unser Körper unter anderem Haut, Haare und Muskeln.

Nichts weiter ist Laktase auf den ersten Blick und genau so wird sie auch verdaut – wie das Eiweiß aus Eiern wird sie in die Bausteine von Eiweißen, die sogenannten Aminosäuren, zerlegt und verwertet. Deshalb schadet Laktase auch in größerer Menge nicht.

Doch Laktase ist ein Protein, bei dem diese Aminosäuren so zusammengebaut sind, dass es eine besondere Fähigkeit bekommt. Laktase kann Milchzucker an sich nehmen und wie eine Schere zerschneiden. Dabei entstehen Traubenzucker und Schleimzucker.

Das wird durch die Endung „-ase“ deutlich, die an das lateinische „Lacto“ gefügt wird, das Wort Laktase zeigt, dass es sich um ein Eiweiß handelt, dass wie eine Schere auf einen Stoff in der Milch wirken kann – auf den Milchzucker Laktose.

Für die Frage, warum Laktase theoretisch so gut wirkt, dass sie offiziell anerkannt ist, aber praktisch doch immer wieder unzuverlässig zu sein scheint, muss man zwingend wissen, dass es nicht die Laktase gibt.

Laktase ist nur ein Etikett für all die Eiweiße, die wie eine Schere den Milchzucker spalten können. Ich habe vor Jahren aufgehört zu zählen, wie viele ich davon finde (aber nicht sie weiterzusuchen), welche verrückten Ursprünge (Mandeln!) und Fundorte (heiße Quellen!) es gibt. Wenn Sie mir das an dieser Stelle erlauben: Laktase ist furchtbar faszinierend und unglaublich vielfältig.

Ordnen kann man all diese Laktaseenzyme nun ganz einfach daran, welche Arbeitsbedingungen sie brauchen. Es ist wie bei Menschen. Es gibt extrovertierte, introvertierte, sehr ordentliche, sehr kreative, achtsame und forsche Menschen. Jeder davon braucht andere Verhältnisse um tolle Leistungen zu bringen – das geht Laktase nicht anders.

Laktase ist wie alle Menschen – sie braucht die richtige Umgebung um tolle Arbeit zu machen

Die für uns entscheidende Laktase ist nicht die, die zur Herstellung laktosefreier Milch verwendet wird (auch hier gibt es schon 3 verschiedene Arten), sondern die alle gemeinsam als „saure Laktase“ bezeichnete Form.

Sauer nicht wegen Ihrer schlechten Laune, sondern weil sie Arbeitsbedingungen unter Beisein von Säuren wie etwa der Magensäure braucht um gut zu wirken.

Laktase in Tabletten, Kapseln oder auch unseren Millis wird zur Milchmahlzeit eingenommen und gelangt in Ihren Magen, dort findet sie je nach Einnahmeweise eine bestimmte Menge Säure vor (Herausforderung 1).

Sie muss freigesetzt werden (Herausforderung 2). Freisetzen meint hier, dass der Wirkstoff Laktase aus der Kapsel austreten, die Tablette zerfallen oder das Milli zergehen muss, was es allerdings bereits im Mund tut.

Dann wird der Milchzucker im Speisebrei gespalten und der übrige Milchzucker so weit, reduziert, dass der Dickdarm ihn händeln kann (Herausforderung 3).

Dabei passiert die Mahlzeit zwischen Magen und Dickdarm den Dünndarm, indem bei nicht wenigen Betroffenen – vor allem nach langer nicht diagnostizierter Laktoseintoleranz – dennoch Probleme auftreten (Herausforderung 4)

Herausforderung 1 – Nicht die Dosierung ist wichtig, sondern die richtige Einnahme

Unsere Laktase in den Millis und unserem Laktasepulver ist, wie die aller anderen Hersteller in Deutschland auch, die „saure“ Laktase – sie benötigt Säure. Doch das richtige Maß ist entscheidend.

Auf nüchternen Magen liegt die Magensäure sehr konzentriert vor. Würde Laktase in dieses Säurebad geraten, würde sie zersetzt werden und alle Wirkung in kurzer Zeit verlieren. Dafür ist die Magensäure da – sie hilft Eiweiße zu verdauen. Laktase ist ein Eiweiß. Hier liegt das erste Geheimnis einer sicheren Laktasewirkung.

Wird ein Laktasepräparat zu früh genommen, dann zerstört unser Magen einen großen Teil seiner Wirkung. Doch empfehlen nicht immer noch viele Laktasehersteller die Einnahme vor (!) dem Essen? Richtig, denn bis heute dominiert bei der Herstellung von Laktasepräparaten die industrielle Fertigung als Kapsel oder Tablette statt die Bedürfnisse des Wirkstoffs Laktase.

Beide Darreichungen müssen den Wirkstoff freisetzen, das braucht Zeit und diese Zeit geht bei der Wirkung verloren. Also soll vorher genommen werden, doch die Laktase, die zu früh frei wird, wird dabei auch zerstört – Pest oder Cholera!

Grundsätzlich sollten Sie kein Laktasepräparat auf leeren Magen nehmen. Wenn Sie industrielle Produkte nutzen, trinken sie zumindest ein großes Glas Wasser dazu oder nehmen Sie das Präparat mit den ersten Bissen der Mahlzeit – dazu gleich. Alternativ setzen unsere Millis das Laktaseenzym schon im Mund frei und die Einnahme ist direkt mit dem Essen möglich.

Herausforderung 2 – Laktase muss an die Arbeit gehen können, helfen Sie ihr

Eine Kapsel oder Tablette mit Laktase zu nehmen bedeutet noch nicht, dass Sie auch eine Wirkung bekommen. Der Grund liegt darin, dass der Wirkstoff in der Kapsel oder dem verpressten Körper der Tablette „gefangen ist“.

Damit Laktase aber dem Milchzucker begegnen und ihn zerschneiden kann, braucht sie gewissermaßen freie Hand. Sie muss freigesetzt werden und zum Milchzucker wandern. Ihr Magen hilft dabei durch fleißige Bewegung, doch seine Hilfe geht ins Leere, wenn die Tablette so hart gepresst ist, dass sie erst 30 min braucht um sich zu lösen.

Besonders wenn auf Zusatzstoffe verzichtet wird, aber weiter industrielle Tabletten entstehen sollen: Die Zusatzstoffe wie Sprengmittel haben eine Funktion, denn sie beschleunigten die Freisetzung der Laktase und damit die Wirkung. Sie wegzulassen ist keine Kunst, es verlangsamt schlicht die Wirkung, wenn nicht anders dafür gesorgt wird, dass das Enzym frei wird.

Wie können Sie sich helfen? Weichen Sie von der Einnahmeempfehlung der meisten Laktasepräparate ab und zerbeißen Sie die Kapseln oder zerkauen Sie die Tabletten. Lassen Sie unsere Millis im Mund zergehen.

Auf diese Weise kann die Laktase rascher auf den Weg gehen, um in Ihrem Magen Milchzucker aufzuspüren und zu verdauen. Die Wirkung wird dadurch enorm verbessert – ohne die Dosierung unnötig in die Höhe zu treiben. 5000 FCC dürften für die absolute Mehrzahl von uns, bei richtiger Einnahme, ausreichend sein.

Laktase-Tabletten & laktase-kapseln besser einnehmen
Tabletten sollten Sie besser kauen und Kapseln besser öffnen

Herausforderung 3 – Wie Ihnen komplett laktosefreie Ernährung vielleicht mehr schadet als nutzt

Unser Blick hat bisher die Station angesehen, die generell für die gute Wirkung von Laktase als wichtig angesehen wird – den Magen.

Damit ist es aus der Sicht der meisten Blogs und Foren getan – Laktase muss den Milchzucker aufspalten, damit auch nichts mehr davon in den Darm kommt. Deshalb ist es besonders wichtig ganz viel Laktase zu nehmen, um sicherzugehen.

Die Wirklichkeit der Wirkung von Laktase sieht jedoch eher anders aus. Stellen Sie sich Laktase vor wie einen fleißigen Arbeiter mit einer Schaufel. Mit jedem Griff nimmt Laktase und macht daraus Traubenzucker und Schleimzucker. Das macht sie immer und immer wieder.

Doch mit der Zeit bildet sich hinter Ihr ein Berg von Traubenzucker und Schleimzucker. Die Arbeit wird immer beschwerlicher – bis irgendwann nichts mehr geht. Der Berg ist so hoch, dass sie nichts mehr drauf schippen kann. Es wäre noch Milchzucker da, doch Berg ist Berg. Laktase schafft es nie, auch in hoher Konzentration, allen Milchzucker zu spalten. Es bleibt ein Rest – und genau dieser Rest ist vorteilhaft, kann aber am Anfang für Probleme sorgen.

Dieser Rest Milchzucker wandert über den Dünndarm (dazu gleich) in den Dickdarm. Dort richtet er keinen Schaden an, sondern wird wie alle Ballaststoffe verdaut. Näheres dazu erfahren Sie hier. Ist es aber zu viel Laktose in einer Mahlzeit – auch wenn die Laktase gut gearbeitet hat – dann treten die Probleme auf, die wir Betroffenen so gut kennen.

Wichtig ist: Die Probleme treten nicht auf, weil Laktase nicht ordentlich gearbeitet hat, sondern weil es zu viel auf einmal für den individuellen Dickdarm ist.

Der Dickdarm ist das Zuhause einer großen Zahl freundlicher kleiner Helfer und viele davon können Laktose mühelos zu nützlichen Stoffen verarbeiten, denn sie haben eine eigene Laktase.

Die Bedingung dafür ist jedoch, dass von den Helfern, die Milchzucker gerne mögen und Laktase bilden, auch genügend vorhanden sind. Es ist wahrscheinlich, dass darunter den Bifidobakterien und Lactobazillen eine besondere Rolle zukommt, die Sie auch in Joghurt finden, wo sie – Sie ahnen es – Milchzucker als Futter genießen. Diese Organismen kommen auch in Ihrem Bauch vor und – Sie ahnen es vielleicht – sie mögen Milchzucker.

Trifft nun Milchzucker auf einen Dickdarm, indem von diesen Keimen eine große Zahl nur darauf wartet den Milchzucker zu spalten, treten weniger oder oft gar keine Probleme mehr auf – ein Prozess der sich „Colonic Adaption“ (Anpassung des Darms) an die Laktose nennt.

Ihr Darm hat hier einen zweite Laktaseschutz in Gestalt der Milliarden von Organismen – auch wenn Sie laktoseintolerant sind. Damit das klappt, müssen diese Organismen regelmäßig gefüttert werden.

Trifft der Milchzucker nun auf einen Dickdarm, der kaum noch Milchzucker und oft kaum anderes Futter für die Lactobazillen und Bifidobakterien erhalten ist, sind weniger der Helfer verfügbar. Aus unserer Erfahrung mit Betroffenen, die sich komplett laktosefrei ernährt haben, führen manchmal schon kleinste Mengen Laktose zu Problemen und meine Vermutung ist, dass hier schlicht der „zweite Schutzschild“ gegen die Symptome, Ihre Darmhelfer, ausgehungert ist.

Studien konnten zeigen, dass dieser Prozess umkehrbar sein könnte – zumindest der Möglichkeit nach kann die Gabe kleinerer Mengen Laktose über eine längere Zeit die laktosespaltenden Organismen im Darm erhöhen und die Symptome so eventuell reduzieren.

Unsere Erfahrung mit unseren eigenen Bestellern ist hier ebenfalls positiv. Wir ermutigen unsere Besteller aktiv dazu weniger laktosefreie Alternativen und auch weniger unserer eigenen Laktase zu nehmen, sondern in kleinen Schritten zu schauen, was ganz ohne Hilfe verdaut werden kann – und diese Grenze in kleinen Schritten anzuheben. Das klappt ganz gut und im Durchschnitt verbrauchen unsere Besteller so weniger unserer Laktase als noch vor einigen Jahren – und gewinnen viel an Freiheit dazu.

Wenn Laktase also nicht so recht helfen will, heißt das nicht zwingend, dass sie nicht wirkt und auch nicht zwingend, dass Sie eine besonders starke Laktoseintoleranz haben – allzu oft, besonders seit laktosefreie Produkte breit verfügbar sind – kann eine Abgewöhnung des Darms von Laktose hier mitmischen.

Der Weg darf hier nicht sein noch penibler und besorgter Laktose zu meiden. Die aus meiner Sicht nachhaltige Lösung ist, in kleinen Schritten eine Neuanfreundung mit Laktose zu versuchen.

Ein Dickdarm der gesund und nicht ganz und gar der Laktose entfernt ist, der verträgt oft noch recht große Mengen ganz ohne Laktase oder laktosefreie Milchprodukte als Hilfe.

Ein Teil von Ihnen wird sich jetzt ein Stück weit gruseln. Sorgt nicht schon eine kleine Menge Laktose manchmal für Durchfall so schnell, dass wir kaum vom Tisch schnell genug zur Toilette finden?

Exkurs: Pavlovs Hund oder was ein schlauer Darm so alles kann

Vielleicht erinnern Sie sich noch an die legendären Versuche von Pavlov? Ein Hund, der nach einem Glockenläuten Essen bekommt, wird irgendwann schon sabbern, wenn er nur das Glöckchen hört – eine Konditionierung. Was hat das mit Laktoseintoleranz zu tun? Viel!

Manchmal wirkt Laktase scheinbar nicht und es treten extrem schnelle Durchfälle auf. Sie treten so rasch auf, dass wir halb schweißgebadet von der Toilette kommen, die wir gerade noch erreicht haben. Was hier passiert, hat vermutlich mit Pavlovs Hund zu tun.

Konditionierung auf Laktose

Zunächst: Was ist vermutlich kein Auslöser? Laktose! Das klingt paradox. Doch um Beschwerden zu verursachen, muss Laktose den Magen und den Dünndarm passieren, um im Dickdarm verdaut zu werden. Das alles braucht Zeit – deutlich mehr Zeit als es oft braucht um plötzlich zu spüren: Oh nein es geht wieder los!

Wenn also noch gar keine Laktose dort sein kann, wo sie Symptome verursacht, was ist es dann? Der Noceboeffekt, der böse Bruder des Placeboeffekts, bei dem uns Dinge realen Schaden zufügen, nur weil wir glauben sie werden es tun, ist hier vielleicht am Werk.

Eine bessere Erklärung aus meiner Sicht aber liefert die Art der Beschwerden, schnelle Durchfälle, die wir auch von schlechten Lebensmitteln oder anderen Dingen kennen, die wir nicht „gut vertragen“. Der Körper entledigt sich so rasch er kann der Mahlzeit, von der er gelernt hat: Immer wenn ich das schmecke, habe ich danach Probleme. Ab und weg damit! Eine Konditionierung wie bei Pavlovs Hund.

Was können wir tun, damit das aufhört? Ich empfehle unseren Bestellern, die solche Symptome zeigen, mit den Millis sachte anzufangen und nur kleinste Mengen Milchprodukte daheim zu probieren – sich nicht unterkriegen zu lassen, wenn es nicht direkt klappt. Wie jede Konditionierung verschwindet es mit der Zeit – meist in ein bis zwei Wochen, wenn Sie nur mutig und beharrlich bleiben.

Lassen Sie sich dabei nicht einreden es sei Einbildung. Durchfälle sind als Symptome dafür zu konkret, ebenso wie Blähungen, die ebenfalls auftreten können – dann aber im Dünndarm.

Herausforderung 4 – Blähungen als, ob man schwanger wäre

Unter den Symptomen, die ich neben den Durchfällen am meisten als Frage gesendet bekomme, sind Blähungen mindestens so häufig. Aber eine bestimmte Art der Blähungen, die schmerzhaft und regional oft klar eingrenzbar auftreten.

Vielleicht kennen Sie diese Blähungen auch? Recht schnell nach dem Essen, oft innerhalb einer Stunde, haben Sie Aufstoßen, Bauchschmerzen und fühlen sich oft aufgebläht mit einem dicken Oberbauch, der gespannt ist. Die Damen schreiben es sei „als ob sie schwanger wären“, die Männer auch – nach kurzer Rücksprache.

Das verwunderliche, das mir lange keine Ruhe gelassen hat: Blähungen und Gase sind unbestechlich. Damit Gase entstehen können, müssen Organismen Zucker nutzen und daraus Gase bilden.

Doch die Organismen in einem gesunden Darm sind im Dickdarm daheim und damit müsste deutlich mehr Zeit vergehen, bis Blähungen auftreten und sich dann Ihren Weg bahnen. Die Betroffenen beschreiben aber immer wieder schnelle Aufgeblähtheit im Oberbauch – im Dünndarm, der kaum Keime beherbergt und durch Verdauungssäfte keimarm gehalten wird.

Dank Doris Paas, einer lieben Freundin, Ernährungsberaterin und Fachfrau für Dünndarmfehlbesiedelung, deren Buch ich empfehlen kann, lies sich das Rätsel lösen: Bei lange undiagnostizierter Laktoseintoleranz ist es zumindest plausibel anzunehmen, dass Keime immer wieder in den Dünndarm gelangen. Warum der Dünndarm es nun nicht schafft, sie in gewohnter Weise zurückzudrängen, ist vermutlich von Fall zu Fall verschieden. Doch allen Fällen ist gemein, dass extreme Bauchkämpfe und Blähungen auftreten.

Diese Beschwerden treten selbst dann auf, wenn Laktase erfolgreich den Milchzucker hat spalten können. Manchmal sogar noch intensiver gerade, wenn Laktase genommen wird. Bei der Spaltung des Milchzuckers durch Laktase entsteht Traubenzucker, der auch bei einem Test auf Dünndarmfehlbesiedlung verwendet wird – und für Probleme sorgt, wenn der Dünndarm aus dem Gleichgewicht ist.

Laktase wirkt also, doch es entsteht mit Traubenzucker etwas, das die Beschwerden eventuell sogar noch schlimmer macht. Hier hilft nur der Gang zum Arzt oder zur Ernährungsberatung, um die Fehlbesiedlung zurückzudrängen und die Ursache durch eine passende Ernährung einzudämmen.

Die gute Nachricht: Es lässt sich gut kurieren und danach vertragen Betroffene Milchprodukte oft wieder in kleiner Menge ohne und in größerer Menge mit Laktasehilfe symptomfrei.

Zusammengefasst:

Wenn Ihnen Laktase nicht hilft, dann sollten Sie prüfen, ob

  • Ob Sie die Laktase richtig einnehmen – ideal mit dem Essen, nie vorher und nie auf leeren Magen
  • ob die Laktase freigesetzt wird – enthält Ihr Präparat keine Sprengmittel oder zergeht wie unsere Millis, dann sollten Sie die Tabletten zerbeißen und die Kapseln öffnen, um Laktase freizusetzen
  • ob laktosefreie Ernährung wirklich nötig ist und nicht im Zweifel nur die Toleranz immer weiter senkt – haben Sie Mut sich langsam an Milch heranzutasten, auch ohne Helfer wie die Millis
  • ob Ihr Körper vielleicht etwas zu umsorgend ist und mit Durchfällen Ihre mutigen Schritte erschwert – lassen Sie sich nicht unterkriegen, machen Sie nur kleinere und sanftere Schritte um Ihrem Körper den Argwohn zu nehmen
  • ob Blähungen auftreten, die recht schnell nach dem Essen spürbar werden – dann heißt es zum Arzt gehen und ein Problem in Angriff nehmen, das zum Glück gut heilbar ist.

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