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Unser Bacillus coagulans

– Martin Lipsdorf, April 2019, Leipzig

Probiotika, lebende Organismen in unserer Ernährung denen eine besondere gesundheitliche, oft eine geradezu magische Wirkung zugesprochen wird. Die alten Griechen kannten den Rat, bei Darmproblemen fermentierte Milch zu trinken, die reich an lebenden Laktobazillen und Milchsäure war. Nebenbei war sie für die laktoseintoleranten Griechen laktosearm durch natürliche Reifung. Was aber war die entscheidende Zutat in den Fermenten? Erst zum Ende des 19. Jahrhunderts und durch Forschungen des Pariser Pasteur Instituts fanden Forscher: Es scheint, als seien die vitalen Organismen in der Milch entscheidend und ursächlich. Der Nobelpreisträger Ilja Iljitsch Metschnikow schrieb in seinem Buch Prolongation of Life – Optimistic Studies von der heilenden Wirkung der pro (lateinisch für) – biotischen (lateinisch Leben) Organismen – seine Arbeiten sind bis heute symbolisch für die Probiotikaforschung.

Noch 100 Jahre nach Metschnikows Veröffentlichung ist es das optimistische Ausprobieren, das uns zu Probiotika greifen lässt – die Forschungslage ist bis heute schwach und unsicher und in der EU sind Wirkungsgarantien, sooft Sie davon in Werbeprospekten lesen, schlichtweg verboten. Die Sachlage ist: Es gibt bis heute nur Hinweise, aber keine sicheren Studien, die eine Wirkung von Probiotika belegen.

Ein Grund dafür wurde schon wenige Jahre nach Metschnikows Arbeit gefunden. 1920 zeigte Leo Rettger, dass der Bulgarische Bacillus, den Metschnikow als so heilsam empfahl, im Säurebad des Magens zerstört wurde und den Darm nicht erreichen konnte, in dem er doch wirken sollte.

Lactobacillus bulgaricus, der in Joghurt und Kefir enthalten ist, starb im Magen ab.

Dieses Spiel wiederholt sich seit 100 Jahren immer wieder – ein neuer Wunderbacillus wird gefunden und vollmundig beworben. Oft und gerne wird eine bunte Mischung aus Bacilli in Kapseln oder Tabletten gebracht und in genau dieser Mischung, nur ebendiese, hilft dann mal für die Immunabwehr, mal für eine reine Haut und mal gegen Stress. Der Trick dabei ist einfach: Es ist verboten, Bacilli gesundheitlich alleine zu bewerben. Doch eine Prise Zink in der Kapsel, das als förderlich für das Immunsystem beworben werden darf, macht das Präparat zu einem Immunpräparat. Gibt man etwas Biotin hinzu, für das eine förderliche Hautwirkung beworben werden darf, ist das ganze Präparat vermeintlich gut für die Haut. Angaben dazu, ob die Bacilli jemals im Darm lebend ankommen – oder wie Metschnikows Bacillus im Magen sterben – sucht man auf der Packung in der Regel vergeblich.

Seit Rettgers Arbeit wissen wir aber: Um irgendetwas zu tun, muss der Bacillus im Darm ankommen – lebend.

Um das zu erreichen, setzen einige langjährige Hersteller aufwendige Schutzhüllen ein. Die Organismen werden mehrfach mit einem magensäureresistenten Schutzmantel umschlossen und sollen so den Weg in den Darm finden, wo der synthetische Schutzmantel sich auflöst und den Organismus lebendig freigibt. Wirksam, aber künstlich und teuer,

2002 ging eine Forschergruppe in London einem anderen Weg nach. Einige Bacilli werden von Menschen und Tieren immer wieder mit der Nahrung aufgenommen und wieder ausgeschieden. Diese Bacilli haben, was Forscher in Laboren mühevoll erzeugen müssen: einen natürlichen Schutz gegen die Säure im Magen. Kleine Reste Erde an frischem Gemüse, Brot aus frischem Korn – eine große Zahl natürlicher Lebensmittel enthält diese Bacilli und führt sie uns zu. Sie überleben das Magensäurebad und – so fanden die Wissenschaftler um Simon Cutting in London heraus – scheinen im Darm von Säugetieren (auch Menschen) einen kurzen Teil Ihres Lebens zu verbringen, bis sie wieder von uns ausgeschieden werden und in die Erde zurückkehren. Der Kreis schließt sich.

2010 kam ein Organismus dieser Art in den Handel – nicht durch uns, sondern durch ein sehr großes Unternehmen, das auch eine bekannte, langjährige Laktasetablettenmarke produziert und in Drogerieketten vertreibt. Der Organismus Bacillus Coagulans gehörte zu eben den Bacilli, die nicht im Labor synthetisch mit einem Schutzmantel versehen werden mussten. Er konnte eine Sporenform ausbilden. Und er konnte Laktose zu linksdrehender Milchsäure umwandeln – wie sie in Naturjoghurt vorkommt –  statt daraus Gase wie Wasserstoff oder Methan zu bilden. Angeboten wurde das Präparat zur einmal täglichen Einnahme – zu den Mahlzeiten musste es nach einer Anfangsphase nicht mehr genommen werden. Es enthielt zwar auch Laktase, doch der Grund dafür war einfach: Wie andere Hersteller von Präparaten auch, durfte das Unternehmen nicht damit werben, dass der Bacillus für Laktoseintoleranz hilfreich wäre. Um es doch tun zu können, musste eben Laktase ins Präparat hinein. Für Laktase ist diese Werbeaussage erlaubt.

Die Idee war so einfach wie charmant – einige unserer Besteller schrieben Gutes, aber ich war skeptisch. Denn auch wenn der Bacillus im Darm ankam und trotz der Tatsache, dass es in der EU als sicher in Lebensmitteln zugelassen ist, den sogenannten QPS-Status besitzt, blieb die wichtigste Frage offen: Taugt es?

Immer wieder kam es zu Lieferengpässen, in denen das Präparat noch mühevoll in Versandapotheken gekauft werden konnte, die noch Restbestände hatten.

Könnt ihr da etwas tun?”

Besonders eine Bestellerin, die seit fast zu Beginn bei uns war, drängelte während der immer wieder holprigen Verfügbarkeit:  “Könnt ihr da etwas tun?” Wir wussten, dass einige Besteller das Präparat zusätzlich nehmen und immer wieder auf dem Trockenen saßen – oder online Reste aus manchmal merkwürdigen Quellen bestellen mussten.

Der Hersteller belieferte uns, sodass wir den Bacillus coagulans ins Programm nehmen konnten, um unsere Besteller zu versorgen.  Knapp ein Jahr später gab das große Unternehmen auf. Nicht unseretwegen, denn unsere Einkaufsmenge wäre dort nicht aufgefallen. Durch die ständigen Lieferschwierigkeiten könne das Präparat nicht mehr geliefert werden. Man danke den Kunden – alles Gute. Wir waren für lange Zeit die einzige Quelle für Bacillus Coagulans.

Ich will offen zu Ihnen sein – das Bacillus und ich haben seitdem ein zwiespältiges Verhältnis. Es im Programm zu halten, hat mir die ersten grauen Haare eingebracht. Ein Streit mit einer Behörde musste überwunden werden, die mit harschen Drohungen der Ansicht war: “Der Bacillus coagulans ist nicht zugelassen. Beweisen Sie das Gegenteil.” Wir konnten es letztendlich beweisen und durften doch 20 Euro für einen Tippfehler auf dem Etikett bezahlen.

Dann ein freundlicher Hinweis eines sehr großen Unternehmens, dass das Präparat nicht beworben werden darf. Sie erinnern sich: Nur die Zugabe von Laktase machte möglich, dass die Wirkung “bei Laktoseintoleranz” auf dem Etikett landen durfte. Wir aber hatten offen darüber geschrieben, was das Bacillus womöglich leisten kann und dass die Wirkung nicht garantiert werden kann. Ein Fehler. Wir hätten einfach Laktase zugeben sollen und gut wäre es gewesen. Doch das ist nicht, wie wir mit unseren Bestellern umgehen wollen.

Würden wir strikt ökonomisch arbeiten, dann wäre das Bacillus coagulans nicht mehr im Programm – es wird auf Jahre nicht ansatzweise die Kosten wieder einbringen, die es verursacht hat. Die grauen Haare nicht einberechnet. Zum Glück fallen sie bei mir kaum noch ins Gewicht. Nur die Barthaare. Doch einige sehr liebe uns wichtige Besteller nehmen es, tagaus’tagein, jahraus’jahrein und verlassen sich darauf, dass sie es bei uns bekommen, wenn ihr Jahresvorrat aufgebraucht ist.

“Wovon man nicht sprechen kann, darüber muss man schweigen.” schrieb Ludwig Wittgenstein und meinte es gerade nicht so, wie uns die Sachlage zwingt es zu verstehen: Wir können Ihnen keine Wirkung des Bacillus coagulans garantieren.

Schauen Sie die Produktdemo an

Es kommt, wie schon bei Metschnikow, auf das optimistische und offene Ausprobieren an.

Dafür haben wir eine Packung mit 16 Gramm für 16 Euro, die Sie rund zwei Monate begleiten kann. Wenn Sie für sich entscheiden, dass es lohnt, den Bacillus weiter Teil Ihres Lebens sein zu lassen, haben wir eine 80 g Packung für 50 Euro, die bis zu einem Jahr ausreicht, um jeden Morgen, in der Dosis von zwei Messlöffeln in kaltem Wasser, genommen zu werden. Das Präparat ist standardisiert mit Akazienfaser, dem sogenannten Gummi Arabicum, die nicht gebleicht wurde und aus nachhaltiger Bewirtschaftung stammt.


16 Gramm für 16 Euro

(inkl 7% Mwst, Grundpreis 100 Euro pro 100 Gramm)


80 Gramm für 50 Euro

(inkl 7% Mwst, Grundpreis 62,50 Euro pro 100 Gramm)


Lebensmittelinformationen:
Bacillus Coagulans in den Packungsgrößen 16g und 80g
Nahrungsergänzungsmittel auf Basis von Bacillus Coagulans
Zutaten: Gummi Arabicum, Bacillus Coagulans LK-1 (25 x 10^9 cfu/g), Füllmittel: Maltodextrin
Verzehrempfehlung: Täglich zwei gestrichene Messlöffel (50 x 10^8 cfu) in kaltem Wasser eingestreut unmittelbar. Nicht auf Mahlzeiten streuen oder direkt ohne Wasser in den Mund einnehmen.
Die angegebene Verzehrmenge darf nicht überschritten werden. Nahrungsergänzungen ersetzen keine gesunde und ausgewogene Ernährung. Außerhalb der Reichweite kleiner Kinder aufbewahren.
Lagerung: Kühl und trocken
Hersteller: Laktasekampagne Inh. Martin Lipsdorf – Zollschuppenstr. 2 – 04229 Leipzig
Mindestens haltbar bis: 14 Monate ab Herstellungsdatum (die Herstellung erfolgt einmal pro Monat frisch)