Wenn wir sauer sind: so wirken Laktase Tabletten

Laktase Tabletten wirken nicht so, wie wir es von anderen Mitteln gewohnt sind. Während wir etwa bei einer Kopfschmerztablette ungefähr sagen können, wie viel uns hilft, wenn der Kopf in grauen Wolken hängt, lässt sich Laktase da nicht so recht festnageln.

Wir empfehlen unseren Bestellern deshalb seit Jahren Faustregeln, die für die Praxis taugen:

  • ein Milli (5000 FCC) für jede Milchmahlzeit
  • wenn sie sich die Zunge nicht mehr verbrennen, ist auch die Zugabe von Laktase zum Essen in Ordnung
  • zwei bis drei mal mehr empfehlen wir bei einem Eis, noch mehr, wenn der Eisbecher üppig ist
  • bei langen Mahlzeiten mit mehreren Gängen, etwa zu Festtagen, nach ungefähr einer Stunde nachdosieren
  • und eine Empfehlung zu beherzigen, die vielleicht Wichtigste, die Sie am Ende des Artikels finden

Auf den ersten Blick wirken diese Ratschläge merkwürdig. Warum mehr bei Eis aber sonst nicht? Warum nachdosieren oder warum spielt die Mahlzeit eine Rolle? Können wir uns nicht mit einer Laktase Tablette ausrüsten wie mit einem Schild, der dann eine feste Zeit schützt?

In diesem Artikel erfahren Sie, woran die Wirkung von Laktase Tabletten in Ihrem Bauch hängt. Er will helfen ein Gefühl dafür zu entwickeln, wann wieder ein Helfer nötig wird.

Laktase Tabletten wirken nicht auf Ihren Körper

Wenn wir eine Vitamintablette nehmen, um uns etwa vor einer Erkältung zu wappnen oder Vitamin D in der dunklen Jahreszeit ergänzen, dann wollen wir damit unseren Körper stärken um mit dem nächsten Bacillus gut ins Gefecht gehen zu können.

Anders liegt der Fall bei Laktase Tabletten. Das Enzym Laktase, das den Milchzucker verdaut und damit bei Laktoseintoleranz hilft, wird weder gespeichert noch aufgenommen. Das ist für frisch Diagnostizierte etwas, das ein kleines Aha-Moment auslöst: Laktase zu nehmen heißt, dem Essen im Bauch die Helfer hinzuzufügen, die er selbst nicht mehr ausreichend produziert.

Eigentlich sollte der Dünndarm körpereigene Laktase an der Innenseite der Darmwand herstellen um so, wenn wir Milchprodukte essen, den Milchzucker spalten zu können. Die Symptome bleiben aus.

Mit Ihrer Diagnose wurde aber festgestellt: Das macht er nicht mehr ausreichend und es kommt zu viel Milchzucker in Ihren Dickdarm, wo er mit der Zeit auch Ihre Darmflora zu viel des Guten bekommt.

Eine Laktase Tablette sorgt nicht dafür, dass der Körper wieder Milch verträgt. Sie regt also keine Laktaseproduktion an. Die Laktase in der Tablette wird auch nicht dort hinzugefügt, wo der Körper sie vorher hatte. Sie nimmt also nicht den Platz der körpereigenen Laktase ein.

Wenn wir Laktase nehmen, dann nehmen wir nur eine „Extrazutat“ zu unserer Mahlzeit, die sich mit dem Essen vermischt, Laktose darin verdaut.

Laktase wirkt auf Ihre Mahlzeit

Vielleicht kennen Sie Menschen, die Ihrer Arbeit mit großer Leidenschaft nachgehen. Manchmal sosehr, dass sie alles um sich herum vergessen. Stellen Sie sich Laktase als diesen Menschen vor. Ihre Passion: Laktose spalten.

Das Laktase zufällig in Ihrem Bauch auf Laktose trifft, bemerkt sie gar nicht. Es könnte auch ein Eimer mit Milch sein oder ein Reagenzglas sein. Einmal losgelassen schaut sie nur danach, wo sie Laktose finden kann und spaltet sie. Sie wirkt nur auf die Mahlzeit in Ihrem Bauch. Ihr Bauch wird, auch das kennen Sie vielleicht von Menschen mit einer Leidenschaft für ihre Arbeit, glatt übersehen.

Wie Laktase am liebsten arbeitet

Um im Bild zu bleiben: Menschen, die ihre Arbeit sehr lieben, sind oft genug Gewohnheitstiere. Alles hat seinen Platz, damit nichts ablenkt. Laktase Tabletten sind da nicht anders. Sie arbeiten am liebsten, wenn ringsherum alles so ist, wie sie es gernhaben.

Laktase ist ein Kaltblüter

Es gibt auf der Welt tausende Laktasen, die alle verschiedene Temperaturen mögen und mich immer wieder verblüffen. Manche lieben heiße Quellen, andere arktische Temperaturen. Unsere Lebensmittel enthalten dagegen eine winzige Auswahl und Laktase Tabletten fast immer nur eine einzige Laktaseform. Diese Laktase von Aspergillus oryzae, dem Pilz, der auch für die Herstellung von Sojasoße verwendet wird, arbeitet zwischen Körpertemperatur und 55 °C ganz emsig. Mehr als 60 °C mag sie ungern und deutlich mehr lässt sie streiken.

Für die Einnahme von Laktase ist hier die Temperatur der Mahlzeit entscheidend. Nehmen Sie etwa unser Laktasepulver, lesen Sie im Internet oft, dass es ungeeignet ist, weil es nicht auf warme Speisen verwendet werden darf. Menschen empfinden heiße Speisen aber in der Regel bei rund 60 °C als essbar. Wir verbrennen uns die Zunge nicht mehr. Das ist auch für Laktase in Ordnung, sodass Ihre Zunge ein guter Ratgeber ist.

Im Sommer gilt dagegen: Aufgepasst! Bei einem Sahneeis oder einem Sahneeisbecher, stehen wir oft im Wettlauf mit der Sommersonne und müssen das Eis naschen, bevor es flüchtet. Der kühlende Effekt im Bauch ist angenehm, doch unsere Laktase wird bei kühleren Temperaturen etwas fauler. Ein klassischer Kaltblüter. Ausgleichen lässt sich das, indem Sie ausnahmsweise etwas höher dosieren.

Laktase würde Apfelringe mögen

Vielleicht erinnern Sie sich, dass es im Chemieunterricht ein Maß gab, mit dem man beschreibt, wie saure oder basisch (also: nicht sauer) eine Flüssigkeit ist: der ph – Wert. Wasser bekommt hier einen Wert von rund 7, die meisten Säfte liegen zwischen 3 und 4. Für die Bäckerinnen und Bäcker unter Ihnen: ein reifer Sauerteig liegt zwischen 4 und 4,5. Ungefähr so mag es auch Laktase: mild säuerlich.

Bevor aber die Idee aufkommt, jede Laktase Tablette mit einem Glas Apfelessig zu trinken: Unser Magen ist von Natur aus, wenn er leer ist, sehr sauer mit einem Wert von 1–2.

Wenn wir nun etwas essen, verdünnt dieses Essen die Säure im Magen. Ihr Magen produziert dann immer weiter Säure und säuert die Mahlzeit an. So verdaut er Ihr Essen.

Das ist der Grund dafür, warum Laktase Tabletten mit zunächst wenig intuitiven Dosierratschlägen gegeben werden. Wenn Sie wenig essen, müssen Sie bei einer neuen Mahlzeit wieder eine Tablette nehmen. Wenn Sie dagegen eine lang ausgedehnte Mahlzeit mit mehreren Gängen genießen, oft erst ab ungefähr einer Stunde. Warum?

Weil die Säure in Ihrem Magen von einer kleinen Mahlzeit weniger verdünnt wird und der Magen recht fix genug Säure produziert, um es für Laktase unwirtlich werden zu lassen. Bei einer großen Mahlzeit dagegen wird die Säure nicht nur zu Beginn stärker verdünnt, sondern mit jedem Bissen immer wieder etwas mehr. So bleibt der Säuregehalt für Laktase länger angenehm.

Was, wenn Sie mal „richtig sauer“ sind?

Etwas, das wir über die Jahre immer wieder feststellen, ist das Schwanken der Wirkung von Laktase und auch der Verträglichkeit laktosefreier Milchprodukte mit Stressphasen im Lebensalltag. Wie beeinflusst es eine Laktase Tablette, wenn wir, wie es heißt, mal so richtig sauer sind?

Das Bild ist nicht so eindeutig, wie man glauben würde. Mehr und raschere Magensäure wird die Wirkung von Laktase schon beeinflussen, doch nicht alle Menschen reagieren auf Stress mit einer vermehrten Magensäureproduktion. In einer kleinen Studie waren es eher nur diejenigen, die etwas impulsiver durch das Leben gehen, bei denen Wut und Magensäure nach oben schossen [1]. Die eher Ruhigen waren auch im Bauch nicht saurer als sonst.

Auch die Zeit, die Laktase hat, um im Magen zu wirken, scheint eher anzusteigen, wenn wir unter Stress stehen. Die Magenentleerung dauert unerwarteterweise eher länger [2].

Und doch erleben Betroffene öfter eine Verschlimmerung der Beschwerden in schwierigen Lebensphasen.

Eine Vermutung hier ist, dass Laktase wirkt und auch laktosefreie Lebensmittel nicht plötzlich mehr Laktose als sonst enthalten, doch die Verträglichkeit der kleinen Restlaktosemengen sinkt. Stress wirkt zwar wie es scheint verlangsamend auf die Magenentleerung, doch er beschleunigt die Darmentlerrung [ebd.].

Mit weniger Zeit im Darm, wo die Reste Ihrer körpereigenen Laktase und auch die Helfer in Ihrem Darm Ihnen sonst helfen würden, sinkt Ihre Toleranz gegenüber Laktose womöglich.

Laktase wirkt dann zwar, aber Ihre Sensitivität macht einen unguten Sprung nach oben. Ob dem so ist, wissen wir leider wissenschaftlich nicht, denn Laktoseintoleranz ist kein modisches Thema der Forschung.

Was wir aber wissen ist, dass die Lösung hier nur sein kann, so gut es geht wieder Boden unter den Füßen zu gewinnen und den Stress zu senken.

Ich weiß, aus einem Psychologienebenfach und mehr als 10 Jahren Selbstständigkeit, das ist leicht geschrieben als gemacht. Doch statt einer zusätzlichen Laktase Tablette hilft Ihnen hier vielleicht eher sich die Achtsamkeit zurückzuerobern, die uns in schweren Zeiten oft so schwerfällt. Die Bücher zur Achtsamkeitsmeditation von John Kabat-Zinn sind hier eine Empfehlung auch für diejenigen, die ganz weltlich eingestellt sind.

Wenn Laktase also nicht mehr wie gewohnt wirken will, kann es sein, dass sie Ihnen etwas sagt: dass Sie Ihnen bewusst macht, dass es gerade nicht nur an Milchzucker zu viel ist.

Wenn ich Ihnen eine Dosierempfehlung ans Herz legen darf, dann diese: Achten Sie, gerade in solchen dunklen oder heißen Phasen Ihres Lebens auf sich. So haben Sie mehr, nicht nur von Ihrer Laktase, sondern auch von schönen Momenten, die sonst unbeachtet bleiben würden.

[1] Holtmann, G., Kriebel, R., & Singer, M. V. (1990). Mental stress and gastric acid secretion. Digestive diseases and sciences, 35(8), 998-1007.

[2] Mayer, E. A. (2000). The neurobiology of stress and gastrointestinal disease. Gut, 47(6), 861-869.